Australien 2005
... mit unseren Augen

Kleiner Wohmobilvergleichstest:

Easylife EMU4 gegen KEA 4-Berth Deluxe

Im Laufe unserer Reise haben wir zwei verschiedene WoMos gefahren, zuersts den EMU4 von Easylife Rentals, dann ein 4-Bett-Motorhome von KEA. Hier sind die zugegebenermaßen etwas laienhaften, aber hoffentlich objektiven Erfahrungen. Ich konzentriere mich dabei auf das, was nicht in Prospekten und Homepages zu lesen ist. Siehe dazu bei Easy Life bzw. Kea.

 

Fahrverhalten
Der Easylife EMU4 baut auf dem IVECO Daily Fahrzeugrahmen auf, und ist dadurch viel näher an einem LKW, als der KEA, der auf dem Ford Transit aufbaut. D.h. der EMU4 hat einen größeren, leistungsstärkeren Motor (2,8 statt 2,4 l Hubraum beim KEA), der schon knapp über 1000 U/min seine Kraft entfaltet, und 6 statt 5 Gänge beim KEA. Dessen Ford-Motor gleicht dagegen mehr einem PKW-Motor, der einfach kleiner übersetzt worden ist. Er fängt erst bei 1800 U/min an, Kraft zu entwickeln, ist unelastisch und wird so ständig in hohen Drehzahlbereichen gequält. Das macht ihn recht laut. Der Dieselverbrauch liegt bei beiden vergleichbar mit 15 bis 17 l/100 km.
Bei der Straßenlage hat der KEA klar die Nase vorn. Während der fast wie ein Sportwagen ohne jegliche Neigung die Kurven nimmt, fängt das IVECO-Fahrwerk des EMU4 schon bei leichten Kurven an, sich zu neigen, was immer wieder ein ungutes Fahrgefühl verursacht. Grenzsituationen haben wir aber bei beiden nicht ausprobieren müssen, so dass ich nichts über die tatsächliche Stabilität im Extremfall sagen kann.

Urteil: Etwa unentschieden


Fahrkomfort
Während der EMU4 vorne 3 Sitzplätze hat (Fahrersitz und eine Bank), sind's beim KEA nur 2. Je nach Gruppenkonstellation ist der 3. Sitz ein echter Vorteil, so bei uns. Die Hinterbänkler (bei uns nur Pia im Kindersitz) sitzen beim EMU4 direkt hinter dem Fahrer an einem Tisch, beim KEA dagegen ganz im Heck. Dort haben sie zwar eine geringfügige bessere Rundumsicht, aber bei Sonneneinstrahlung von hinten wird's dort ungemütlich, es holpert auch ordentlich, die Luftzufuhr ist schlecht und auch wegen des lauten Motors ist die Unterhaltung mit den Frontleuten fast nicht möglich. Der Sitzkomfort der Passagiere ist übrigens bei beiden und wie in allen Wohnmobilen eher bescheiden, der vorne beim KEA durch die bessern Sitze etwas höher. Noch ein Manko beim EMU4: Das Durchsteigen zwischen Fahrerhaus und Kabine ist wegen der Sitzbank eine Kletteraktion, und nichts für Übergewichtige. Bei beiden gilt im Übrigen: Wenn die Leiter zum Alkoven aufgestellt ist, dann kommen nur noch Kinder durch.

Urteil: leichtes Plus für EMU4, hängt aber auch von der Anzahl und Art der Reisenden ab.


Wohnkomfort
Beim Wohnkompfort trenne die beiden Welten! Zwar sind sie von den Grundmerkmalen vergleichbar: Kühlschrank, Mikrowelle, Herd sind z.B. identisch. Plus für EMU4: Fernseher, zweites CD-Radio in der Kabine. Plus für KEA: Waschbecken im "Bad", Backkofen/Grill. Doch die Raumaufteilung ist im EMU4 wesentlich geschickter, die Küche ist es wert, eine solche genannt zu werden, der Alkoven ist viel geräumiger, es gibt große, fahrtaugliche Ablagen, zwei separate Kofferräume, viele Haken, Staukörbe und -netze, Handtuchstangen, Lampen, usw. Beim KEA hingegen fehlt es diesbezüglich an allem. Das fängt mit umständlichen Schranktür- und Schubladenbeschlägen an, die Schrankaufteilung ist unpraktisch, viele Schränke sind schwer erreichbar. Ihr Interieur ist einfach und undurchdacht, so dass Lebensmittel rumfliegen, es gibt keine Zwischenböden, und was mache ich mit Flaschen? Es gibt keine Küchenarbeitsfläche. Steckdosen sind an unmöglichen Orten. Der Gipfel ist ein Highboard von 50 x 50 cm in ca. 1,30 m Höhe, sehr schick, wie ein einer modernen Heim-Einbauküche, wo dort Platz ist für eine Blumenvase oder einen Obstkorb.... im WoMo aber zu nichts zu gebrauchen, weil es vor der Fahrt völlig leergeräumt werden muss.
Die Tischecke im Heck des KEA sieht sehr ansprechend aus, mit gutem Panorama. Sehen und gesehen werden. Aber gnade Gott, wenn mal die Sonnne scheint. Der KEA ist nur schlecht zu durchlüften. Von den großen Fensterflächen sind nur kleine Teile zu öffnen, was sich in der ganzen Kabine fortsetzt. In tropischen Nächten hilft dann nur eins: alles dicht machen, und sich von der Klimaanlage zudröhnen lassen, 240V-Anschluss vorausgesetzt. Erschreckend, wie wenig Erfahrung in so einem Serienmodell steckt. Der EMU4 dagegen sind alle Fenster großzügig zu öffnen, selbstverständlich mit Fliegengittern, bis hin zu einer abschließbaren Fliegengittertür, so dass man sogar bei Abwesenheit kompormisslos lüften kann. Zusätzlich gibt's ein großes Sonnenvordach gratis, was auch bei leichtem Regen den Lebensraum vergrößert.
Im EMU4 war das so: Wir kamen, haben unsere Reisetaschen ausgeräumt, alles hatte seinen Platz, und es war noch ausreichend Stauraum für Lebensmittel. Tagtägliches lag griffbereit, die Kinder hatten ihre Spielkommode, und im Kofferraum war zu den 2 Campingtischen und 4 Stühlen noch Platz für Schwimmring, Sandelsachen, Boogie-Board, Feuerholz, Bierdosen, usw.
Beim KEA war dagegen so: Vieles musste in den Taschen bleiben, die Lebensmittel waren verteilt gelagert und flogen immer wieder rum, der Kofferraum war schon mit den Stühlen, dem Tisch und dem lächerlichen Sonnenschirm fast voll, und der Schwimmring musste immer wieder platt gemacht werden. Ständig wurde geräumt, gesucht, und in schwer erreichbaren Ecken gewühlt.

Urteil: Himmelweites Plus für den EMU4


Gesamturteil
Der KEA ist auf den ersten Blick eleganter, schicker, und das Werbematerial ist darauf ausgerichtet. Im Alltag jedoch zeigt er abgesehen von der guten Straßenlage deutliche Schwächen. Er ist höchstens für 2 Personen geeignet, die viele Kilometer fressen, und das Wohnmobil nur als Schlafplatz nutzen wollen.
Die Bedenken, die man Eigenbau EMU4 anfangs entgegenbringt, verfliegen im Alltag, und gerade der Eigenbau-Charakter ist seine große Stärke: Das macht ihn so durchdacht, ausgefeilt und urlaubstauglich.